Pfarrkirche St. Ulrich
Missionsausschuss
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Pfarrei St. Ulrich Wertach › Gruppen

Missionsausschuss

Herzlich Willkommen bei der Allgäuer Brasilienhilfe! Wir sind der Missionsausschuss der Pfarrei Wertach mit den Teams der Brasilienhilfe und des WeltFAIRkaufs. Auf Initiative von Philipp Erd begann man sich Anfang der Neunziger Jahre in der Pfarrei Wertach für die bitterarmen Bewohner Nordostbrasiliens zu engagieren. Herr Erd pflegte die Bekanntschaft mit den Missionaren in unseren Partnergemeinden durch mehrere persönliche Besuche in Brasilien.

Das damals noch große Elend motivierte ihn, in Wertach ein alljährliches Missionsessen ins Leben zu rufen. Diese Veranstaltung, jeweils am Sonntag der Weltmission Ende Oktober, ist auch heute, nach dem viel zu frühen Tod Philipp Erds, unsere wichtigste und einträglichste Aktion im Jahr. Darüberhinaus organisieren wir Gottesdienste und Spendenaktionen zu besonderen Anlässen wie zuletzt im September 2010 anlässlich des Besuchs von Pater Bernhard in Wertach. Auch Überschüsse aus dem Verkauf fair gehandelter Waren durch unser WeltFAIRkauf-Team leiten wir weiter nach Brasilien.

Unsere Pfarrei unterstützt die Partnergemeinden Campo Alegre de Lourdes und Pilão Arcado im Nordosten Brasiliens (Bahia) bei verschiedenen Projekten:

  • Familienzisternen
  • Saatgutaktion
  • Medizinische Versorgung im Inland
  • Kinderpastoral
  • Mutirão (=Gemeinschaftsarbeit )
  • Sanierungshilfe baufälliger Hütten der ärmsten Familien
  • Patenschaften für arme Familien
  • Fotokopien von der Jugend für die Jugend
  • Kurse für Gemeindeleiter und Rechtshelfer

Weiter unten auf dieser Seite finden Sie ausführliche Informationen zu unseren Partnergemeinden in Brasilien, zusammengestellt von der Pfarrei Schönenberg (Ostalbkreis), die die Hilfe für die Gemeinden koordiniert.

Klicken Sie hier und Sie können einige Bilder anschauen, die Andreas Konrad auf seinen Brasilienreisen in unseren Partnergemeinden gemacht hat. Nach dem Tod Philipp Erds hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Wertacher Hilfe für Brasilien weiterzuführen.

Wenn Sie mit einer Spende die Hilfe für die Menschen im Nordosten Brasiliens mittragen möchten, hier das
Missionskonto der Brasilienhilfe e.V.:

Sparkasse Neumarkt

Konto Nr. 35 600

Bankleitzahl: 760 520 80

Überweisungs-Vordrucke (gelten bis 100 € auch als Spendenquittung) erhalten Sie im Pfarramt Wertach

Bei größeren Beträgen stellen wir Ihnen gerne eine Spenden-Quittung aus.

Wichtig: Tragen Sie Ihre Adresse in den Überweisungsträger ein

Wir garantieren Ihnen, dass 99% der Gelder direkt bei unseren Partnergemeinden ankommt! (1% = Wechselkurs)

Vorstand des Brasilienhilfe e.V. ist der Bischof von Eichstätt, Dr. Gregor Maria Hanke - ein Bruder von Pater Bernhard Hanke.

Im Namen jener Menschen in Brasilien und in aller Welt, die fast nichts besitzen außer einer gehörigen Portion „Gottvertrauen“, bedanken wir uns herzlich für Ihr Interesse an unserer ehrenamtlichen Arbeit.

Vergelt´s Gott!

Im Namen jener Menschen in Brasilien und in aller Welt, die fast nichts besitzen außer einer gehörigen Portion „Gottvertrauen“, bedanken wir uns herzlich für Ihr Interesse an unserer ehrenamtlichen Arbeit.

Vergelt´s Gott!


Unsere Partnergemeinden:

  • Campo Alegre de Lourdes
  • Pilão Arcado

im Nordosten Brasiliens/ BAHIA

Allgemeines:

Die Pfarrei Campo Alegre de Lourdes umfasst den ganzen Landkreis Campo Alegre de Lourdes mit ca. 135 Gemeinden und ca. 30.000 Einwohnern. Die Gemeinden sind in 20 Regionen eingeteilt. Der Sitz der öffentlichen Verwaltung ist in der Stadt Campo Alegre de Lourdes. Die Stadt hat etwa 10.000 Einwohner und liegt ca. 100 km nördlich des Sobradinho Stausees, im Nordwesten Bahias an der Grenze zu Piaui in hügeliger Buschsteppe. Von Süd nach Nord durchquert die Bundesstraße 20 von Brasilia nach Fortalezza den Landkreis als eine in der Regenzeit meist nicht benutzbare Erdstraße. Nur in wenigen Gemeinden gibt es Strom und kleine Geschäfte, seit einigen Jahren in den größeren Gemeinden auch weiterführende Schulen. Die Grundschulen, bisher in elenden Hütten untergebracht, wurden in einen guten baulichen Zustand gebracht und mit Zisternen und Toiletten versehen.

Die andere Partnergemeinde, Pilao Arcado mit Pater Wilhelm Mayer als Pfarrer grenzt an die Pfarrei Campo Alegre de Lourdes. Sie ist flächenmäßig fast doppelt so groß wie diese, dafür aber dünner besiedelt, ein Teil dieses Landkreises ist Wüste. Außerhalb der neuen Stadt Pilao Arcado, ( die alte Stadt ist im vor 25 Jahren gebauten Sobradinho-Stausee untergegangen) liegt eine der Pfarrei gehörende Fazenda mit Ausbildungszentrum für Landarbeiter und Kleinbauern in angepasster Landwirtschaft. Die Krankenpfleger für beide Pfarreien werden hier auch aus- und fortgebildet. Viele andere Kurse nutzen das Zentrum ebenfalls.

Ein paar Informationen zur Pfarrei

Campo Alegre de Lourdes:

Das Pfarrteam besteht aus 12 Leuten. Einige von Ihnen wohnen in Campo Alegre de Lourdes und andere im Inland. Mit Hilfe eines Fahrrads betreuen sie bis zu 30 Gemeinden.

Die Pfarrteammitarbeiter sind teils mit einem vollen Arbeitsvertrag teils mit einem halben Arbeitsvertrag angestellt.

Kommissionen zur Durchführung der jährlichen Saatgutaktionen (und früher auch der Wäscheaktionen) werden von den Gemeinden gewählt und arbeiten ehrenamtlich.

Alle zwei Monate findet im Pfarrzentrum eine Schulung aller Mitarbeiter durch Fachberater aus der Diözese und dem Pfarrteam statt

Dann gibt es noch die Gruppe, die den Zehnten ( dizimo) einsammelt (eine Kirchensteuer gibt es nicht). Jeder gibt was er kann.

In Campo Alegre de Lourdes gibt es einen Pfarrgemeinderat, Kommunionhelfer (auch für Krankenbesuche) und Hauskreise.


Unsere Projekte im Einzelnen:

Zisternenprojekt

Grundproblem im Nordosten Brasiliens ist der Wassermangel, aus dem fast alle anderen Probleme resultieren. Die Regenmenge mit ca. 600 mm Niederschlag zwischen Dezember und April würde ausreichen, um Land und Menschen über die 7-8 Monate Trockenzeit mit dem notwendigen Wasser zu versorgen, wenn entsprechende Speichermöglichkeiten geschaffen würden. Allerdings hat sich mit dem Klimawandel der letzten Jahre auch die Regenmenge verringert. Das Grundwasser ist kaum nutzbar, da 95% salzhaltig und somit nur 5% theoretisch nutzbar sind. Im ganzen Gebiet der beiden Pfarreien gibt es kein Fließgewässer und keine Quellen.

Anmerkung: Die Stadt Pilão Arcado liegt nahe am Sobradinho Stausee und bezieht ihr Trinkwasser aus dem See.

Untersuchungen haben ergeben, dass die sogenannten Familienzisternen den größten Nutzen für die Menschen bringen und ihnen ein Überleben ermöglichen. Andere Systeme der Wasserspeicherung wie Stauseen und Staubecken scheitern sowohl am politischen Willen der Verwaltung als auch an der Finanzierung. Tiefbrunnen müssen 60-100 m tief gebohrt werden und es gibt keine Stromversorgung für die Pumpen. Umfragen im Jahr 1995 ermittelten einen Bedarf an Zisternen im Landkreis Campo Alegre de Lourdes von 5.000 Stück, durch das Bevölkerungswachstum seit1995 ist der Bedarf auf ca. 6000 Zist. gestiegen. Jede Zisterne hat ein Fassungsvermögen von ca 15.000 Litern. Die vorhandenen Mittel aus unseren Spenden werden entsprechend der Gemeindegröße proportional verteilt.

Die Basisgemeinden beschließen in Versammlungen gemeinsam, welche Familie eine Zisterne bekommen soll. Sind mehr Bewerber da, als Zisternen gebaut werden können, wird ausgelost. In jeder Gemeinde bekommt auf Beschluss der Versammlung eine besonders arme Familie einen höheren Zuschuss und die Mithilfe der anderen Gemeindemitglieder (= Mutirão).

Die Basisgemeinden beschließen in Versammlungen gemeinsam, welche Familie eine Zisterne bekommen soll. Sind mehr Bewerber da, als Zisternen gebaut werden können, wird ausgelost. In jeder Gemeinde bekommt auf Beschluss der Versammlung eine besonders arme Familie einen höheren Zuschuss und die Mithilfe der anderen Gemeindemitglieder (= Mutirão).
Die begünstigten Familien (mit durchschnittlich 6 Personen) erhalten ein Darlehen von 50% der Baukosten (ca. 150,-- €) als Zuschuss. Das Darlehen zahlen sie in für sie tragbaren Raten zurück. Sie müssen an Eigenleistung erbringen:

Ausheben der Grube (ca. 20 cbm),
Sand und Wasser für den Mörtel beschaffen und
beim Bau mitarbeiten.
Erwachsene Familienmitglieder müssen auch breit angelegte Kurse besuchen über Wartung und Pflege der Zisternen, Wasser- und allgemeine Hygiene, Ernährung der Kinder und Erwachsenen und soziale Erziehung zum gemeinsamen Handeln der Dorfgemeinschaft. Diese Kurse sind ein zentraler Bestandteil des Zisternenprojekts.

Die Familien müssen sich ebenfalls verpflichten, in Zeiten großer Wassernot anderen Familien Wasser abzugeben.

Das Regenwasser der Zisterne darf nur zum Trinken und Kochen benützt werden. Das Baumaterial für eine Zisterne kostet etwa 250 - 300 € je nach Baugrundverhältnissen. Die Maurer sind bei der Gewerkschaft der Landarbeiter - mit der Kirche zusammen der wichtigste Faktor bei der Entwicklung des Landes - angestellt und bekommen eine spezielle Ausbildung und regelmäßige Schulung für den Bau von Zisternen. Kirche und Gewerkschaft arbeiten eng zusammen.

Im Juli 1999 fand ein internationales Symposium in Petrolina statt, an dem 250 Vertreter aus 25 Ländern teilnahmen. Thema dieser Versammlung war die alternative Wasserversorgung. Armínio de Deus Braga, Präsident der Gewerkschaft der Landarbeiter von Campo Alegre de Lourdes erhielt dabei einen der drei internationalen Auszeichnungen, die bei dieser Versammlung vergeben wurden. Damit wurde das Projekt des Zisternenbaus in Campo Alegre de Lourdes gewürdigt und anerkannt. Am 12. Juli 1999 besuchten 22 Vertreter aus 10 Ländern Campo Alegre de Lourdes und besichtigten die Zisternen in der Gemeinde Barreiro de Espinheiro und waren sehr beeindruckt vom Zisternenbauprojekt.

Ein weiteres konkretes Ergebnis der Versammlung in Petrolina war die Gründung der ABCMAC (Associação Brasileira de Captação e Manejo de Águas de Chuva) auf nationaler Ebene, die folgende Ziele hat:

Die alternativen Technologien für das Auffangen und Versorgen mit Wasser weiter zu verbreiten
die Forschung und die Entwicklung von weiteren Alternativen zu fördern.
Politischen Druck auszuüben und Aktionen durchzuführen, damit das Zisternenprogramm in den Wasser-Haushaltplan der Bundes-und Landesregierungen aufgenommen und damit staatlicherseits gefördert wird

Die Pfarrei Campo Alegre de Lourdes finanziert zusätzlich ein kleines Zisternenprojekt für arme Familien am Stadtrand von Campo Alegre. Diese Familien sind nicht in der Lage, die 50% Rückzahlung des Zuschusses aufzubringen und werden so in das Zisternenbauprojekt mit hineingenommen.

Auf diesem erfolgreichen Weg ist man mittlerweile noch viel weiter gekommen. Die weitreichende Versorgung mit gesundem Trinkwasser hat z.B. zu einer drastischen Senkung der Kindersterblichkeit geführt.

Saatgutaktion

Hauptnahrungsmittel sind Bohnen, Mais, Maniok und Abobras (Kürbisse). Reis, Süßkartoffeln und Gemüse muss aus anderen Gegenden zugekauft werden. In der Buschsteppe im Westen Bahias ist Ackerbau aus klimatischen Gründen nur sehr begrenzt möglich. Außerdem sind die Böden humusarm und meist sandig.

In der Regenzeit zwischen Dezember und April fällt der ganze Jahresniederschlag. Leider meist sehr unregelmäßig, oft mit mehrwöchigen Trockenperioden und manchmal mit sintflutartigen Regenfällen. Im ersteren Fall vertrocknen die Pflanzen, im zweiten Fall schimmeln sie auf den Feldern. Solche Jahre mit Missernten sind häufig. In manchen Jahren gelingt es eine zweite Saat zur Reife zu bringen. Extremjahre infolge der Klimaveränderungen werden langsam in Südamerika die Regel!

Bis vor wenigen Jahren hatten die Familien in Jahren mit guter Ernte keine Möglichkeit, Bohnen und Mais über mehrere Jahre zu lagern, um so schlechte Jahre auszugleichen und ihre Ernährungsgrundlage zu sichern. Einen Teil der Ernte als Saatgut aufzubewahren und den Verkauf der Bohnen entsprechend den Marktpreisen zu steuern war ebenfalls nicht möglich, Schädlinge zerstörten das Erntegut in kurzer Zeit.

Die Basisgemeinden in den Dörfern beschlossen in ihren Versammlungen gemeinsam, Vorratsbehälter aus Zinkblech zu bauen. Die Landarbeitergewerkschaft und die Pfarrei arbeiten wie in allen Projekten auch hier eng zusammen. Landarbeiter aus den Dörfern werden im Bau der Behälter ausgebildet und fertigen sie dann zusammen mit den beteiligten Familien an. Die Pfarrei gibt armen Familien einen Zuschuss zu den Materialkosten, die soziale Komponente ist grundsätzlich ein wichtiges Element der Gemeindeversammlungen und der Pfarreiarbeit.

Nach der Ernte werden die Bohnen in der Sonne getrocknet, enthülst und in die ca. 2.000 Liter fassenden Behälter gefüllt. Nach der Begasung (um alle Schädlinge abzutöten) wird der Behälter luftdicht verschlossen. Die Bohnen halten so mehrere Jahre und bleiben keimfähig.

In Jahren mit Missernten kauft die Pfarrei Saatgut für die bedürftigen Familien. Diese geben nach der nächsten Ernte ein Mehrfaches des erhaltenen Saatgutes zurück. Damit können dann andere Familien mit Saatgut versorgt und ein Vorrat für schlechte Jahre angelegt werden.

Nach anfänglichem Zögern hat sich inzwischen ein Großteil der Familien in den Gemeinden dem Projekt angeschlossen. Die Leute lernen durch persönliche Erfahrung, dass sie nur durch gemeinsames Lösen ihrer Probleme, durch gemeinsames Handeln und durch in Lernprozessen erworbene Eigenverantwortung - auch der Gemeinschaft gegenüber - vor Hunger, Ausbeutung und politischer Erpressung geschützt werden.

Medizinische Versorgung im Inland

In den meisten Dörfern des Inlandes gibt es weder Arzt noch Zahnarzt, keinen Strom, kein Telefon, keinen Laden, nichts. Pater Wilhelm bildet im Gesundheitszentrum der Pfarrei Pilão Arcado seit Jahren Krankenpfleger aus. Sie legen am Ende der Ausbildung eine staatlich anerkannte Prüfung ab und versorgen eine oder mehrere Gemeinden im Inland. Vor etwa 2 Jahren wurden die von der Pfarrei ausgebildeten Krankenpfleger vom Staat übernommen und arbeiten hauptamtlich für einen Mindestlohn von ca. 100,-- € pro Monat. Derzeit sind etwa 50 geprüfte Krankenpfleger im Einsatz. Regelmäßige Weiterbildung und Schulung ist Pflicht und gewährleistet so eine Basis-Medizinversorgung der Bevölkerung. Eine weitere Aufgabe der Krankenpfleger ist es, die Leute in gesunder Ernährung, Hygiene und Kinderpflege zu unterrichten.

Pater Wilhelm sammelt seit Jahren das Wissen der einheimischen Bevölkerung über dort vorkommende Heilpflanzen und stellt aus ihnen Arzneien her.

In Pilão Arcado selbst ist nahe beim Pfarrzentrum ein “Poste saúde“, also ein Gesundheitszentrum mit Behand-lungsräumen, hauseigener Apotheke und einigen Kranken-zimmern. Die Pfarrei Pilão Arcado besitzt ein altes Schiff auf dem Sobradinho Stausee (das Geschenk einer Schweizer Gemeinde), mit ihm werden die vielen Gemeinden am See und seinem Hinterland versorgt. Auf dem Schiff gibt es neben dem Kabinenverschlag für den Schiffsführer eine kleine Krankenstation. Der Weg über den See ist die einzige Möglichkeit um viele Gemeinden der Pfarrei Pilão Arcado überhaupt zu erreichen. Straßen gibt es keine.

Kleider und Wäscheaktion

Leider mussten wir unsere zweimal jährlich stattfindenden Kleidersammlungen für unsere Partnergemeinden einstellen. Ein brasilianisches Gesetzes von 1999, verbietet grundsätzlich die Einfuhr gebrauchter Wäsche. Durch dieses Verbot soll verhindert werden, dass die heimische Produktion unter den Kleidersendungen leidet. Dies trifft sicher in vielen Fällen und Ländern zu. In unserem speziellen Projekt wird der Markt jedoch nicht geschädigt, da die Menschen dort weder das Geld, noch überhaupt die Möglichkeit haben Kleidung zu kaufen. Viele dieser Menschen, Erwachsene und Kinder, haben kein einziges gutes Kleidungsstück. “Armut ist eine Schande“ sagen die Armen und bleiben zuhause. Man sieht sie weder beim Gottesdienst noch bei Veranstaltungen und auch am Gemeinschaftsleben nehmen sie kaum teil, da sie sich ihrer Armut wegen schämen.

Kinderpastoral (Pastoral de crianças)

Eine wichtige Aufgabe der Pfarrei ist die Kinderpastoral. Diese Hilfe wird von den Kirchen in ganz Brasilien gefördert. Geschulte Mitarbeiter der Pfarrei besuchen alle Familien mit Kindern, begleiten Mütter und Kinder ab der Schwangerschaft bis die Kinder etwa 10 Jahre alt sind. Die Kleinen werden gewogen und gemessen, die Mütter erhalten Unterricht in richtiger Ernährung, Kinderpflege, Erziehungsberatung und Gesundheitswesen. Ziel der Kinderseelsorge ist, dass die Kinder richtig ernährt werden, rechtzeitig die wichtigen und notwendigen Impfungen erhalten und im Krankheitsfall die Kinder rechtzeitig von ihren Müttern zum Arzt gebracht werden.

Durch die Einrichtung der Kinderseelsorge und insbe-sondere durch den Bau der Familienzisternen konnte die Kindersterblichkeit erheblich gesenkt werden, weshalb dieses Projekt auch für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde.

Die Kindergruppen gestalten auch Gottesdienste in den Gemeinden.


Mutirão

Dieses Wort bedeutet soviel wie gegenseitige Hilfe. Projekte unter dem Stichwort „Mutirão“ gibt es für den Zisternenbau, bei der Instandsetzung baufälliger Häuser, Erweiterung kleiner Häuser um ein oder zwei Räume für arme große Familien oder Instandsetzung der Häuschen armer alter Leute.

In Versammlungen der Basisgemeinden werden solche Fälle angesprochen und die Hilfe organisiert. Zu den vielen freiwilligen Arbeitsstunden der Helfer gibt die Pfarrei einen Zuschuss zu den Materialkosten.

Oft ziehen kinderreiche Familien, alleinerziehende Mütter mit Kindern oder alte Menschen aus ihren abgelegenen Dörfern an den Rand der Stadt, in der Hoffnung hier ein Auskommen oder eine Arbeit zu finden. In ihrem bisherigen Zuhause hatten sie ohne Land und ohne Arbeitsmöglichkeit keine Überlebenschance. Sie hausen in Hütten unter Plastikplanen unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Die Landflucht hat sich wegen der prekären Lebensbedingungen und fehlenden Zukunftsaussichten sehr verstärkt. In den letzten Jahren haben sich so rings um die Stadt Campo Alegre viele neue Siedlungen gebildet. Die Stadtverwaltung hat das Land in kleine Parzellen eingeteilt und Erdstraßen mit beiderseitigen Randsteinen gebaut. Strom- Wasser- Abwasser- oder sonstige Ver- und Entsorgungsleitungen gibt es keine. Meist sind die Parzellen für die Minihäuschen so klein, dass der Bau einer Zisterne fast den ganzen Außenbereich benötigt, das Loch im Boden als Klo ist viel zu dicht an der Trinkwasserzisterne, ein Gemüsebeet oder ein paar Hühner zu halten ist da nicht drin. Das gesamte Regen-und Abwasser versickert im Untergrund. Die Trinkwasserversorgung der ganzen Stadt erfolgt aus dem am Stadtrand liegenden Stausee durch Eselskarren mit 2 Fässern drauf. Das Grundwasser fließt letztendlich in den tiefer liegenden See, große Probleme sind da in den nächsten Jahren schon zu erwarten. Aber die Leute sind froh, wenn sie das Stückchen Land kaufen und eine Hütte darauf bauen können. Wie sie sich mit den seltenen Gelegenheitsjobs durchs Leben bringen ist ihr Geheimnis.

Patenschaften für arme Familien

Im Bereich der Pfarrei gibt es eine Anzahl besonders armer Familien, weil entweder der Ehemann/Vater die Familie verließ, weil viele Kinder da sind oder weil die Kinder krank oder behindert sind. Die Familien leben weit unter dem Existenzminimum. Pater Bernhard unterstützt diese Familien nach Bedarf durch regelmäßige Lebensmittelpakete mit Grundnahrungs-mitteln. Die Familien, die Unterstützung brauchen, werden im Inland von den Gemeinden und am Stadtrand von Campo Alegre von den Mitarbeitern der Kinderseelsorge vorgeschlagen. Mit unseren Spenden ist diese Unterstützung wirkungsvoll möglich und dauerhaft. Beim Zisternenbau hilft ihnen die Gemeinschaft und arbeitet mit (= Mutirão) und sie erhalten auch einen höheren Zuschuss zu den Materialkosten.

Fotokopien für Schulmaterial
Schulbücher - insbesondere für weiterführende Schulen - sind teuer und selten. Die Schüler sind deshalb darauf angewiesen, das Lehrmaterial zu kopieren. Im Pfarrbüro steht ihnen dazu ein Fotokopierer zur Verfügung. Sie müssen für die Kopien nur den Selbstkostenpreis bezahlen und erhalten, falls sie diesen nicht aufbringen können, einen Zuschuss von der Pfarrei.


Kleinere Projekte und Allgemeines

Die Pfarreien finanzieren die Ausbildung von ehren-amtlichen Gemeindeleitern und Katecheten für die Basisgemeinden. Diese Ausbildung dauert etwa 3-4 Jahre und findet 4 x jährlich eine Woche lang für drei Diözesen gemeinsam in Senhor do Bomfin statt. Die Inhalte der Aus-bildung sind Bibelarbeit, Theologie, Kirchengeschichte, Morallehre, Arbeitsmethodik und Sozialarbeit in den Gemeinden.

Weitere Fortbildungskurse werden für Kommunionhelfer, Landarbeiter, Jugend u.a. gehalten.

Die Mitarbeiter und Fachberater der Diözese und anderer Hilfsorganisationen wohnen in der Zeit ihrer Tätigkeit im Pfarrzentrum unentgeltlich. Sie beraten z.B. die Kleinbauern in alternativem und angepassten Landbau, einschließlich Tierhaltung.

Ein Kommunikationsteam produziert die wöchentliche Radiosendung der Pfarrei mit Informationen, Terminen und Neuigkeiten aus dem Pfarreileben. Ausgestrahlt wird die Sendung von der Radiostation “Serra da Capivara“ im angrenzenden Bundesstaat Piaui. Rundfunkrecht ist in Brasilien Landesrecht und in Bahia sind private Radiosendungen nicht zugelassen.

Ein Mitarbeiter der Pfarrei wurde in einem dreijährigen Kurs zum Rechtshelfer mit dem Schwerpunkt auf Arbeitsrecht ausgebildet. Seine Aufgabe ist es, die Landarbeiter in ihren Rechten bzgl. Rentenansprüchen und Grundstücksrechten zu beraten.


Brasilienhilfe 1
Brasilienhilfe
Brasilienhilfe 3
Brasilienhilfe 6
Brasilienhilfe 5
Brasilienhilfe 4
Vortrag über Jakobsweg
Vortrag über Jakobsweg
Missionsausschuss
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Einzeln und doch gemeinsam - Auf dem Jakobsweg mit Joachim Rath

Der Missionsausschuss der Pfarrei St. Ulrich lud Anfang März ein zu einem Vortrag über den wohl bekanntesten Pilgerweg, den Jakobsweg. Als Referent konnten sie Joachim Rath, seit 3 Jahren Neu-Wertacher aus Westfalen, begrüßen. Er hatte sich aus spirituellen Gründen, Abenteuerlust und des touristischen Faktors wegen auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht und seine Pilgerreise zu einem Vortrag zusammengefasst in den er viel Sehens- und Wissenswertes gepackt hatte. Seine Pilgerreise begann mit einer Zugfahrt vom Bahnhof Oy/Mittelberg über Paris nach St. Jean Ried de Port, dem Ausgangsort seines Pilgerwegs. Im Vorfeld habe er nicht viel gelesen zum Jakobsweg konnte aber schon beim Übernachten in der Herberge des Klosters Roncevalles feststellen das diese, nach einer Sanierung, nichts mehr von der „Dreckgrube“ habe wie sie Hape Kerkeling in seinem Buch beschrieben hatte.
Obwohl er selber vorwiegend schlechtes Wetter hatte und Bekannte ihm, dem ehemaligen Manager, im Vorfeld höchstens 4 Nächte ohne Luxushotel prophezeiten „bin ich die ganze Zeit vergnüglich gewandert und nur in Hütten bzw. Pilgerherbergen gewesen, die sehr viel besser sind als ihr Ruf“ führte Joachim Rath aus. Überhaupt sei die Abende in den Herbergen für ihn eine wichtige Erfahrung gewesen, weil es hier die Gelegenheit gab sich mit anderen Pilgern auszutauschen was so in einem Hotel sicher nicht möglich gewesen wäre.
Praktische Tipps für zukünftige Pilger gab es natürlich auch. So empfahl er sich an jeder Verpflegungsstation der Strecke etwas zum Essen zu kaufen, schließlich wisse man ja nie wann die nächste Station kommt. Ein weiterer Tipp war nicht alles generalstabsmäßig zu planen und sich damit in Stress zu bringen. Er selber hatte sich keine exakten Etappenstrecken vorgenommen und ist immer nur so weit gelaufen wie er gerade Lust hatte. Auch hat er eine Etappe abgebrochen wenn es ihm an einem Ort besonders gut gefiel und ist dann erst am nächsten Tag weitergewandert.
Der Vortrag war mit vielen schönen, aussagekräftigen Bildern unterlegt die seinen Weg von St. Jean Ried de Port über die Pyrenäen nach Pamplona von Pamplona, Burgos. Leon, Ponferrara bis zum Ziel nach Santiago de Compostela anschaulich dokumentierten. Er konnte auch viele Geschichten wie die vom Rolandslied, dem Weinbrunnen im Kloster Irache, dem Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada und dem Cruz de Ferro (Eisernes Kreuz) beisteuern und seine kleinen, persönlichen Anekdoten sorgten immer wieder für Erheiterung im Publikum.
Natürlich erzählte er auch vom emotionalsten Moment seiner Pilgerreise – dem Einzug nach Santiago de Compostela und die Messe in der Kathedrale. Diesen Moment erlebte er gemeinsam mit einer Brasilianerin mit der er einige Tage auf dem Jakobsweg gelaufen war. Bei der Gelegenheit hatte er ihr von dem Projekt des Missionsausschusses berichtet und von ihr bestätigt bekommen das gerade solche Unterstützung sehr wichtig.
Nach Ende des Vortrags hatten die gut 40 Zuhörer, an Stelle eines Eintritts, die Möglichkeit zu spenden und so kamen 226 € für die Brasilienhilfe zusammen.