Pfarrkirche St. Ulrich
Kirchweihsonntag
Kirchweihsonntag
kleiner Hebauf der Handwerker im Pfarrheim
kleiner Hebauf der Handwerker im Pfarrheim
Fürbttten zur Kirchenrenovierung
Fürbttten zur Kirchenrenovierung
Ansprache Architekt Uhlemayr
Ansprache Architekt Uhlemayr
Pfarrei St. Ulrich Wertach › Archiv

Doppelter Grund zum Feiern

Kirchweihsonntag und Renovierungsabschluss

Vergangenen Sonntag feierten die Gläubigen in der Pfarrei St. Ulrich in Wertach nicht nur den Kirchweihsonntag sondern auch die – fast – abgeschlossene Kirchenrenovierung.
Während des Festgottesdienstes zog Pfarrer Franz Reiner immer wieder Parallelen von der Kirchenrenovierung zum christlichen Glauben. So erzählte er in seiner Predigt wie sehr ihn die Zähigkeit und Unermüdlichkeit der Handwerker bei ihrer, nicht immer einfachen Arbeit, beeindruckt habe: „Diese Geduld, dieses dranbleiben an einer Sache - tagelang, wochenlang, Monate – die gaben nicht auf, die blieben dran“. Diese Fähigkeiten seien wichtig für das „Christ sein“, auch hier brauche man Geduld und eine Portion Zähigkeit und dürfe nicht zu früh aufgeben. Mit dem Apell jede renovierte Kirche als einen Fingerzeig Gottes zu sehen und sich zu fragen „Wie sieht es mit dir selber aus, mit der Kirche in dir? Denn die ist ungleich wichtiger als die hier“ schloss er seine Ansprache.
Vertreter des Pfarrgemeinderates trugen Fürbitten vor zu denen sie jeweils ein Zeichen (z.B. Kelle, Meterstab oder ein rostiger Nagel aus dem morschen Holz des Kirchturms) an den Altar niederlegten. Ein Pinsel beispielsweise als Symbol dafür, das so wie die Kirche einen neuen Anstrich bekommen habe auch der Glaube in der Gemeinde Erneuerung erfahren sollte. Auch eine Kerze wurde entzündet zum Dank für die Handwerker und das alle arbeiten unfallfrei verlaufen sind.

Nach dem Festgottesdienst, der musikalisch umrahmt wurde vom Kirchenchor, bat Pfarrer Franz Reiner den Architekten Werner Uhlemayr den Gottesdienstbesuchern einen kleinen Überblick über die vergangene Kirchenrenovierung zu geben. Dieser schilderte, dass die Vorbereitungen bereits 2011 begonnen und nach dem Aufbau des Gerüsts im Juni 2012 die Maler und zeitgleich die Spengler in 45-58 m Höhe ihre Arbeit aufgenommen hatten. Er berichtete, dass die Blechhaut der Kirchturmzwiebel durch Einschusslöcher beschädigt war durch die im Laufe der Zeit immer wieder Wasser in die Holzkonstruktion eindringen konnte. Dies habe zu erheblichen Schäden geführt die aber erst nach der Entfernung des Kupferblechs sichtbar geworden seien. Die verfaulten Balken wurden ausgewechselt und stabilisiert. Allein die Folgen diese Einschusslöcher hätten einen Schaden von 25000 € verursacht. Weiter berichtete er von Schäden am Kaiserstiel (oberste Teil des Kirchturms das Kreuz und Kugel trägt) „Das Eichenholz war so stark verfault dass es verwunderlich gewesen war, dass er bei starkem Wind nicht abgestürzt sei“. Auch der Schindelschirm im Bereich der Turmuhr musste entfernt und durch einen Natursteinkranz erneuert werden.
Den emotionalsten Moment habe man sicherlich bei der Abnahme von Kreuz und Kugel erlebt. In dieser Kugel hätten sich Fotos und verschiedene Dokumente aus der Zeit nach dem Brand befunden.
Im Rahmen der Renovierung sei auch die Sonnenuhr restauriert und ein Medaillon mit der Inschrift“ IHS“ an der Westfront angebracht worden „Ich bin begeistert wie diese einfache Westfassade eine sakrale Aufwertung erfahren hat!“ erklärte Herr Uhlemayr. Abschließend bedankte er sich bei allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit.

Als nächste Redner sprach der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Herr Gottfried Metzger ein paar Worte zu dem Fund der in der Kugel der Turmspitze entdeckt wurde. Er erzählte das Frau Karola Hartung die Dokumente von der deutschen Schrift in unsere heutige übersetzt und Herr Melchior Fischer dieses zu einem 20seitigen Heft zusammenfasst hatte. Herr Fischer trug dann einige Textpassagen aus dem Dokument vor in dem der Schulgehilfe Josef Strehler die schwierigen Situation in Wertach nach dem Brand 1893 und die Zeit des Wiederaufbaus beschrieb. Auch nach dem Stellenwert des Glaubens in der Zukunft wurde 1894 schon gefragt „Wie werden sich die religiösen, sittlichen Verhältnisse gestaltet haben? Werden die Pfarrgenossen auch noch Gott dienen in treuer Hingebung und Liebe? Oder wird an die Stelle frommen katholischen Glaubens eine traurige Abkehr von demselben getreten sein?“ heißt es in dem Artikel.
Diese Frage griff Herr Metzger auf. Er berichtete, das es in Wertach viele Ehrenamtliche gibt die, zusammen mit Pfarrer Franz Reiner, das kirchliche Angebot mit Leben füllen, diese Angebote aber, gerade von jungen Familien, zu wenig wahrgenommen werden. Die Kinder- und Familiengottesdienste werden zu schwach besucht und auch bei den Sonntagsgottesdiensten fehlten die Kinder und Jugendlichen. „Vor ein paar Wochen haben wir aus Protest die Kirche umarmt. Wozu wenn in Zukunft keiner mehr reingeht“. Nur gemeinsam könnten die Kirchenbesucher Begeisterung wecken, für die Sache Jesu werben und beten, denn nur so könne man den Glauben in die Zukunft der Kinder weiter vermitteln gab er den Gottesdienstbesuchern mit auf den Weg.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren die an der Renovierung beteiligten Handwerker und Betriebe zu einem kleinen Hebauf in den Saal des Pfarrheims eingeladen.